Mornellregenpfeifer-Durchzug im Frühjahr

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Werte Kollegen! Ich möchte wie in den vergangenen Jahren zur Nachsuche nach durchziehenden Mornellregenpfeifern in den alpinen Lagen aufrufen. Im Gegensatz zum Herbstdurchzug ist in Österreich über den Frühjahrszug weit weniger bekannt bzw. existieren hier weniger Daten. Der Grund dafür liegt wohl darin, dass sich um diese Zeit, in der die Berge noch teilweise schneebedeckt sind, der Eindruck eines lohnenden Aufenthalts in alpinen Regionen für viele Vogelbegeisterte nicht gerade aufdrängt. Zugleich findet der Hauptdurchzug dieser Art in höheren Lagen statt und ein wesentlicher Teil der Frühjahrsnachweise in Talregionen ist auf Schlechtwettereinbrüche zurückzuführen, die die Vögel zum Ausweichen ins Tal zwingen. Der Frühjahrsdurchzug der Art erstreckt sich über einen recht großen Zeitraum mit den frühesten Nachweisen bereits im März und den letzten im Juni. Der Durchzugsgipfel im Frühjahr findet Ende April/Anfang Mai, somit in den nächsten 14 Tagen, statt.
Entgegen der Annahme einer wenig spannenden Exkursion in die Alpen um diese Jahreszeit konnten hier etwa bei dem "Hype" um eine Ohrenlerche, die von 29.04. - 02.05.2007 in etwa 2050 m Seehöhe auf der Koralpe im Grenzgebiet Steiermark/Kärnten anwesend war, zahlreiche weitere spannende Beobachtungen gemacht werden, so etwa Österreichs zweitgrößter Mornelltrupp (24 Ind. im Prachtkleid), Rotkehlpieper in etwa 1850 m Höhe, Rotsterniges Blaukehlchen in etwa 1700 m Höhe sowie typische Alpinarten wie Alpenschneehuhn, Birkhuhn, Steinschmätzer, Bergpieper, balzende Waldschnepfen etc. Typische Rasthabitate für Mornellregenpfeifer sind übersichtliche, tendenziell flache und kurzrasige Bergkuppen. Es reichen kleine schneefreie Flächen in überwiegend schneebedeckter Landschaft. Erfolgversprechende Exkursionsziele wären im Osten Österreichs etwa Schneeberg, Raxalpe, Schneealpe, Veitschalpe, Hochschwab, Hochkar, Hochwechsel und Stuhleck, im Süden Koralpe, Gleinalpe und Zirbitzkogel. In Oberösterreich existieren beispielsweise vom Gipfelplateau des Hohen Nock im Nationalpark Kalkalpen einige Nachweise. Im Westen Österreichs bietet etwa der Hohe Freschen in Vorarlberg gute Chancen. Bei der Nachsuche hilfreich ist die Kenntnis der Lautäußerungen der Art, da selbst Vögel im vollen Prachtkleid am Boden überraschend schwer zu entdecken sein können. Bei Begehungen (wenn auch erfolglos) würde ich darum ersuchen, ein kurzes Mail mit Datum, Zeitraum, Ort, Beobachter(n) an ealbegger@hotmail.com zu senden.
Ein umfassende Zusammenstellung über den Durchzug des Mornellregenpfeifers in Österreich wird im kommenden Elanus 2014 erscheinen.

Besten Dank im Voraus und viel Erfolg all jenen, die Alpenexkursionen unternehmen!
Ernst Albegger